"Vom Satan verführen lassen": Ein Arbeitstag im Leben des Korbacher Nachtwächters Thonnies Telen

20190822 191522Seit den ersten Plänen zur Gründung unserer Gruppierung haben wir der historischen Forschung einen großen Stellenwert eingeräumt. Immer wieder werden wir gefragt, was genau darunter zu verstehen sei. Daher werden wir hier in nächster Zeit immer mal wieder unsere Erkenntnisse präsentieren und dabei den ein oder anderen „Schmankerl“ zu den Nachtwächterpersönlichkeiten der Vergangenheit zum Besten geben, denn diese waren wahrlich „nicht ohne“. Die Quellen haben wir dem Stadtarchiv entnommen, deren ehrenamtlichen Mitarbeitern wir auf diesem Wege ein großes Dankeschön aussprechen wollen!

Die Quelle: Urfehdebrief vom 27.02. 1588 (Stadtarchiv)


In der Quelle gesteht der Corbacher Bürger Frantz Hellwigk, dass er sich „jüngstverrückter Tage leider vom Satan verführen lassen“ habe. Als er beim Landrichter „zur Bierzeche gesessen“ sei, habe er eine „Schlägerei mit dem Wirte erregt“. Abends sei er dann „doll und voll heimkommen“ und habe sein armes Weib „ohn Ursach übel traktiert und geschlagen“. Anschließend habe er seinen Knecht, der seinem Weibe zu Hilfe kam, mit seinem Jagdmesser „etliche gefährliche Wunden in sein Haupt gehauen“. Danach sei er zum Haus seines Bruders geschritten, den er samt seinen Dienern „leiblösen wollen“. Des Nachts habe er Jost Staden „vor seinem Fenster uff seinen Fuß gesetzt“, was der Nachtwächter Thonnies Telen bemerkte. Als dieser den tobenden Frantz Hellwigk fragte, was er da mache, antwortete Hellwig: „Was ich mache, das frisst du!“

Anschließend sei er auf Telen zugelaufen, habe sich mit ihm „etliche Male herüber und über geworffen“, sei nach Hause gerannt, habe eine „Wehre geholt“, sei „beim Closter herum dem Nachtwächter Telen entgegen gelaufen“, welchen er beim Schmideborne angetroffen habe. Dann habe er mit dem Wehre“ einen Streich in den andern auf ihn getan“, bis „uff Telens embsigstes Hilferufen der Pfennigmeister Heinemans aus seinem Bett aufstehen und mit steuern müssen.“

Erkenntnisse

  • Der Vorfall spielte sich vor 432 Jahren im Frühjahr 1587 ab, was bisher der älteste gesicherte Nachweis eines Korbacher Nachtwächters – Thonnies Telen – darstellt!
  • Die Untaten Hellwigks würde man heute gewiss als Amoklauf bezeichnen. Korbach war also schon damals ein heißes Pflaster und unsere Nachtwächter hatten es wahrlich nicht leicht…
  • Bösartigen Gerüchten zufolge sollen die Formulierungen „doll und voll heimkommen“ und „Was ich mache, das frisst du“ sehr schnell (als geflügelte Worte) Einzug in das Vokabular unserer Gruppierung gefunden haben…
  • Für seine Untaten ist Hellwigk übrigens „etliche Tage lang gefänglich gehalten worden“ – im Korbacher Thylenturm, der bestens erhalten unweit der Überreste des Lengefelder Tors noch heute Touristen und Einheimische mit seinem imposanten Aussehen beeindruckt.
Last modified onFreitag, 30 August 2019 05:36
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